Montag, 2. Februar 2015

Vorurteile - Wenn man gezwungen ist eine Lüge zu leben

Wir alle haben Vorurteile. Niemand kann sich davon freisprechen, auch ich nicht. Immer wieder kommt es zu Momenten, in denen ich gesagt hätte "nein, niemals, dass kann einfach nicht sein" und dennoch wurde ich vom Gegenteil überzeugt. Ich bin Menschen begegnet, die mich auf irgendeine Art und Weise überrascht haben. Menschen, mit denen ich nie in Kontakt getreten wäre, welche nun zu meinem Freundeskreis gehören.
Ein Artikel aus dem Spiegel (Heft-Nr.: 4, erschienen am 17.01.2015) hat mich zum nachdenken angeregt. Ich habe den Artikel nur durch Zufall gelesen, bin aber froh, dass ich es getan habe. Er handelt von einem Teenager, welcher auf Mädchen zwischen acht und zehn Jahren steht. Sowohl auf seinem PC, als auch auf seinem Handy wurde kinderpornografisches Material entdeckt. Da er noch nicht strafmündig war, konnte er auch nicht verknackt werden. Nun befindet sich der Teenager in psychologischer Behandlung, um mit seiner Gier zurecht zu kommen und einen möglichen Übergriff zu unterbinden. Es ist ihm selbst peinlich, dass er dieses Verlangen nach jüngeren Mädchen hat. Nur seine Eltern wissen von seinen Problemen. Diese unterstützen ihn auch wo es nur geht, aber zu 100% vertrauen können auch sie ihm nicht.
Manch einer wird nun sagen: "Das könnte ich auch nicht, einem Pädophilen kann man nicht vertrauen." Aber ist das wirklich so? Klar ist. dass jeder nur das Beste möchte, vor allem für seine Kinder. Wer lässt diese schon unbeaufsichtigt draußen spielen, wenn ein Pädophiler in der Gegend wohnt? Wer will überhaupt einen Pädophilen als Nachbarn haben?
Wohl keiner.
Unsere Vorurteile gegenüber Randgruppen sind viel zu eingefahren. "Das kennt man doch" oder "davon hört man doch immer wieder im Fernsehen" sind beliebte Redewendungen. Niemand scheint sich mal ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen zu wollen. Niemand hat den Mut die Betroffenen anzusprechen und zu fragen "Wie fühlst du dich denn? Wie ist das für dich? Wie kam es überhaupt dazu?" Es sind ganz einfache Fragen, die jeder stellen kann, aber keiner stellt sie. Sogar wenn ein direkter Verwandter pädophile Neigungen hat unterbindet man eher den Kontakt, als die betroffene Person zu unterstützen und somit wenigstens etwas Halt in der Gesellschaft zu geben. Einfach um den betroffenen Personen zu zeigen, dass es auch noch Menschen gibt, die vorurteilsfrei sind und jedem eine zweite Chance gewähren.
Einem Menschen zu vertrauen kann sehr schwer sein, dass weiß ich selbst. Auch ich stehe immer wieder vor der Frage: "Soll ich mich als schwul outen oder nicht?" Letztlich kommt es aber immer darauf an, wie lange und wie gut man einen Menschen kennt. Eins ist aber sicher, niemand hat sich seine sexuellen Vorlieben ausgesucht. Kein Heterosexueller, kein Homosexueller, kein Transsexueller und auch kein Pädophiler. Für den ein oder anderen ist es vielleicht sogar ein Schock, wenn man schließlich die Gewissheit hat zu einer diskriminierten Randgruppe zu gehören.
Solche Menschen haben es immer schwer. Sie müssen sich ein Leben lang Vorurteile und Diskriminierungen anhören. Sie werden einfach in eine Schublade gesteckt und bleiben auch da. Kaum einer macht sich die Mühe und schaut auch mal hinter die Fassade. Kaum einer nimmt den Menschen als Individuum wahr. So bleibt vielen nur noch ihre Mitmenschen anzulügen und nichts über ihre wahre Identität preiszugeben. So etwas macht einen krank, wenn man niemanden hat mit dem man sprechen kann. Die Ängste ausgegrenzt, diskriminiert und verachtet zu werden sind nämlich viel zu groß. Jeder Mensch möchte schließlich von seinen Mitmenschen respektiert und akzeptiert werden.

2 Kommentare:

  1. Sehr guter Beitrag. Niemand verharmlost Pädophilie nur weil man sich damit auseinandersetzt. Aber dieser Gedanke ist einfach in uns drin. Es ist einfach so wichtig über solche Themen zu sprechen. Für jemanden der feststellt gewisse Neigungen zu haben ist es wahnsinnig hilfreich, denn nur durch reden lernt man sich auch selbst besser kennen und einschätzen. Reden ist Prevention! [oder wie meine Chefin mal sagte - Redenden Menschen kann geholfen werden]
    Wenn ich mich recht erinnere, gab es auch mal einen sehr guten Werbespot zu diesem Thema - ich will kein Täter sein-
    Keep up the good work! <3

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    1. Danke Tamara.
      Mir geht es auch nicht darum etwas zu verharmlosen, sondern Tabuthemen anzusprechen, über die man sich sonst keine Gedanken macht. Wie du schon sagst ist Reden ungemein wichtig. Man lernt nicht nur sich selbst besser kennen, sondern auch die Mitmenschen lernen einen kennen und können so besser einschätzen wie man tickt.
      Es gibt sogar eine ganze Kampagne zu dem Thema. Dort kann man sich melden, wenn man Hilfe benötigt.

      https://www.kein-taeter-werden.de

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